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Wissen und Nachdenken

HTML in E-Mails — Pro und Contra

Was hat es eigentlich mit den bunt "gestalteten" Mails auf sich?

Immer wieder flammt die Diskussion darüber auf, ob HTML-Formatierungen in E-Mail eine nützliche Erweiterung oder eine überflüssige Spielerei seien.

Hintergrund: mit HTML-Anweisungen (die natürlich für den Leser der Mail unsichtbar sind bzw. sein sollen) kann das Aussehen einer E-Mail gestaltet werden. Häufig werden Hintergrundmuster, vergrößerte und farbige Schrift, Unterstreichungen und dergleichen eingesetzt, um Mails entweder "ansprechend zu gestalten" oder Informationen hervorzuheben, die besonders wichtig sind.

Die Benutzung und Auswertung von HTML-Anweisungen (sog. Tags) ist nicht Bestandteil des offiziellen technischen Standards für E-Mail (RFC822).

Dennoch beherrschen viele (aber nicht alle Mail-Clients) diese Funktion, und es stellt sich die Frage, ob man HTML-formatierte Mails nun einsetzen sollte und welche Vorteile dies bringen kann.

Um es vorweg zu nehmen: meiner Meinung nach haben HTML-Mails nur beim Versand von erwünschten Produktinformationen ihre Berechtigung (s. unten). In der täglichen Kommunikation dagegen, vor allem in der geschäftlichen Korrespondenz, haben sie nichts zu suchen.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

HTML-Tags in Mails sind nicht ungefährlich

Sie können für verschiedenste Zwecke mißbraucht werden, angefangen von der Verifizierung von Mailadressen durch Spammer bis hin zur Einschleusung von Viren oder Würmern.

HTML-Tags sind praktisch immer überflüssig

Ein Hintergrundmuster in einer Mail ist absolut funktionslos und macht den Text nur schwerer lesbar - und ein schlecht formulierter Text wird nicht besser, wenn er besonders groß oder in rot dargestellt wird. Hervorheben kann man auch auf die _eine_ oder *andere* Weise, ohne HTML zu bemühen. Übrigens: die Variante mit den _Unterstrichen_ wird von vielen Mailprogrammen erkannt und beim Empfänger als echte Unterstreichung dargestellt.

HTML in Mails erzeugt Datenmüll

Wenn neben der eigentlichen Nutzinformation auch eine Reihe von Formatierungs-Daten mit übertragen werden müssen, erhöht sich selbstverständlich auch das zu übertragende Datenvolumen — und zwar beträchtlich. Leider nicht selten beträgt der Anteil der HTML-Formatierung an der Gesamt-Datenmenge über 90 Prozent. Nicht gerechnet die Hintergrund-Muster, die als Bilddateien übertragen werden, oder andere grafische "Extras".
Diesem Argument wird häufig mit dem Einwand widersprochen, daß Datenübertragung in Zeiten von DSL & Co. kaum noch etwas koste und deshalb unwichtig sei. Abgesehen davon, daß dies schlichtweg nicht stimmt (nur 60% der bestehenden Anschlüsse können mittelfristig für DSL genutzt werden), finde ich diese Wegwerf-Mentalität auch sehr kurzsichtig und kulturlos. Denn selbstverständlich kostet es Geld und in letzter Konsequenz Ressourcen. Schon heute werden unglaublich Mengen an Übertragungskapazität im Internet z.B. für HTML-formatierte Werbemails verschwendet, die ohne die Erfindung "HTML-Mail" nur einen Bruchteil ausmachen würde.

HTML in Mails kann zu Informationsverlust führen

Nicht alle Mailprogramme können HTML-formatierte Mails lesen, und leider viel zu selten verschickt der Absender eine Alternativ-Variante als reinen Text. Das Ergebnis ist ein Zeichensalat, der vielleicht noch von sehr gutmütigen HTML-Profis entziffert werden kann und der ungefähr so aussieht, wie in diesem Beispiel.

Und was spricht dafür?

Das einzige "Pro", welches mir zu dem Thema einfällt, sind die oben bereits angesprochenen Informations-Mails von Unternehmen an ihre Kunden — quasi als elektronische Produktkataloge.
Hier nämlich können tatsächlich Informationen bzw. auch Darstellungsarten übertragen werden, die mit reinem Text so nicht zu machen sind bzw. eine ganz andere Wirkung hätten.
Zum Beispiel könnte ein Kunde eines Autohauses auf der Suche nach einem Gebrauchtwagen sein und dazu wünschen, daß er regelmäßig per E-Mail über neu eintreffende Gebrauchtwagen informiert wird, die seinen Vorstellungen entsprechen.
In einer solchen Mail läßt sich das Produkt "Gebrauchtwagen" im Kontext des anbietenden Autohauses natürlich viel besser darstellen, als mit reinem Text. So kann gleich ein Bild des Fahrzeugs mit verschickt werden oder besondere Ausstattungsmerkmale werden hervorgehoben.
Voraussetzung ist aber, daß diese Werbemails vom Kunden gewünscht bzw. bestellt worden sind, und der Kunde mit dem HTML-Format einverstanden ist. Es könnte ja sein, daß sein Mailprogramm HTML nicht versteht. Alternativ kann die Mail auch beide Varianten enthalten: HTML und reinen Text. Das Mailprogramm kann sich dann eine Version "aussuchen".

03.10.2006

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